100 Jahre Individualpsychologie

Einhundert Jahre nach Begründung der Individualpsychologie durch Alfred Adler stand Wien vom 14. bis 17. Juli 2011 im Zeichen des 25. Internationalen Kongresses für Individualpsychologie. Damit war die Heimatstadt ihres Begründers die Gastgeberin.

 

Asche von Adler kommt nach 74 Jahren zurück

Die Asche des Wiener Psychoanalytikers Alfred Adler wurde im April 2011 in Schottland entdeckt. Fast 74 Jahre war sie verschollen. Am 19. Juli 2011 wurde im Zentralfriedhof Wien die Urne mit der Asche von Alfred Adler, in einem Ehrengrab beigesetzt. Dabei war auch seinen Enkelin Margot Adler.
Dies ist ein Zeichen der späten Ehrung Alfred Adlers. Lange Zeit galt er als eine „vergessene Person Wiens“. Die Alfred-Adler-Straße wurde im 2009 nach ihm benannt. Diese Strasse ist im 3. Bezirk. Ab 2012 soll in Wien-Hernals ein Alfred-Adler-Museum an den Begründer der Individualpsychologie erinnern.

Diese historischen Aspekte sind für uns Anlass genug in der Geschichte zurück zu blenden und Sie an einem historischen Dokument teilhaben zu lassen. 1933 schrieb Alfred Adler das Vorwort im Buch zur „Einführung in die Individualpsychologie“ von Rudolf Dreikurs. Dieses Vorwort hat Seltenheitswert, ist es doch das einzige Vorwort das Alfred Adler für einen Autor geschrieben hat. Nachfolgend sehen Sie das vergilbte Deckblatt dieser Veröffentlichung.

 

Vorwort von Alfred Adler

„Es dürften an die 20 Jahre her sein, als ich das Schicksal der Individualpsychologie folgendermassen zu beschreiben suchte: Die Individualpsychologie ist aus der Zeit geboren und wird das Denken, Dichten und Träumen der Menschheit anhaltig beeinflussen. Sie wird viele Anhänger gewinnen, die über ihren Wert im Klaren sind, und noch mehr, die von ihren Bahnbrechern kaum den Namen kennen werden. Sie wird von vielen verstanden, von noch mehreren missverstanden werden. Sie wird eine grosse Anzahl von Anhängern um sich sammeln und noch mehr Gegner. Sie wird ihre Gegner oft mit Blindheit schlagen, so dass

diese individualpsychologisch stammeln und unindividualpsychologisch schimpfen werden. Sie wird von vielen wegen ihrer Klarheit als einfach, von ihren Kennern als schwer erkannt werden. Sie wird ihren Anhängern weder Güter noch Stellen eintragen, aber die Freude, aus den Irrtümern ihrer Gegner zu lernen. Sie wird zu einer reinlichen Scheidung beitragen zwischen denen, die Wissenschaft auf der nützlichen Seite des Lebens betreiben, und den andern, – zwischen denen, die in Wissenschaft und Leben einer idealen Gemeinschaft zustreben, und den andern. Sie wird die Augen ihrer Anhänger schärfen, so dass kein abträglicher Winkelzug der menschlichen Seele sich vor ihnen verbergen kann, und sie wird diese erworbene Fähigkeit in den Dienst des menschlichen Fortschrittes stellen.
Der Autor dieses Buches darf im Namen der Individualpsychologie sprechen. Sein Leben, seine Arbeit, sein erstes Buch über „Seelische Impotenz“ (Verlag S. Hirzel, Leipzig) zeigen seine individualpsychologische Gesinnung, seine Begeisterung für die Mitarbeit und sein geschultes Können. Vielleicht ist schon die Einleitung seines neuen Buches imstande, manchem Blinden die Augen zu öffnen über Entwicklungen, die sich im Dunkel wissenschaftlicher Betriebsamkeit abspielen.“

New York, Januar 1933. Dr. ALFRED ADLER

Diese Worte, von A. Adler geschrieben, sind von solch selbstredender Ausdrucksstärke, dass wir sie gerne der Leserschaft zum Nach- und Weiterdenken überlassen.

Autor:
Ruth Bärtschi (1963), Leiterin Akademie für Individualpsychologie, Dipl. Individualpsychologische Beraterin, Fachreferentin an Instituten. www.akademie-individualpsychologie.ch

Individualpsychologische Beraterin AFI Individualpsychologischer Berater AFI

Diesen Post teilen:
Weitere Posts

Menu

Suche

Ausbildungsort

Nächste Infoveranstaltung

Bern: 23.04.2026 – 18h30-20h00
Online: 21.05.2026 – 19h00-20h30