Konfliktmanagement bei der Arbeit: Die Kunst Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.

Kaum etwas schreit so sehr „Individualpsychologie“ wie Konflikte bei der Arbeit. Die Lebensaufgabe ARBEIT gehört zu den drei sozialen Lebensaufgaben (nach Alfred Adler, Begründer der Individualpsychologie). Wir finden im Thema die Dreifaltigkeit der Individualpsychologie wieder: Gleichwertigkeit, Finalität und Gemeinschaftsgefühl. Obendrauf ist die Individualpsychologie eine Sozialpsychologie, also auf das menschliche Zusammenkommen bedacht und ausgerichtet. Und als Alltagspsychologie ist die Individualpsychologie dafür bekannt, dass sie häufig Anwendung findet. Konflikte bei der Arbeit zu finden, ist eine Leichtigkeit. Konfliktmanagement gesund zu handhaben, gleicht einer Lebenskunst, die wir jeden Tag üben können.
Was versteht die Individualpsychologie unter Konfliktmanagement: Es braucht zwei Sichtweisen für einen Konflikt.
Ein Sprichwort besagt: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.“ Gemeint ist, dass wir durch störendes Konfliktverhalten unsere Aufmerksamkeit für das einbüssen, was uns wirklich wichtig ist. Konflikte gesund zu handhaben, ist ein Sozialverhalten, das wir lernen, formen und für uns passend abstimmen können.
In der Individualpsychologie geht es beim Konfliktmanagement hauptsächlich um das Verständnis, für andere und genauso für uns selbst. Persönliche Ziele, Überzeugungen und soziale Bedürfnisse bilden unseren Lebensstil. Unser Lebensstil beeinflusst unser Verhalten, auch in Meinungsverschiedenheiten. Darum sieht die Individualpsychologie im Konfliktmanagement die Aufgabe, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen, um Beziehungen und ein harmonisches Miteinander zu fördern – im Innen wie im Aussen.
Bei der Arbeit mit der Individualpsychologie versuchen wir, was wir bereits mitbringen so zu erweitern, dass es uns im Alltag förderlich ist. Dafür bedarf es einer Erweiterung unseres Lebensstils. Das sogenannte „Re-Framing“ ist eine bevorzugte Technik, die in der Individualpsychologie häufig zur Anwendung kommt. Wichtig ist dabei zu verstehen: Jedes Verhalten verfolgt ein Ziel – auch wenn das Verhalten dazu störend ist.

Wieso ist das so wichtig sich mit dem Konflikt auseinanderzusetzen?
„Andere zu erkennen, ist weise. Sich selbst zu erkennen, ist Erleuchtung.“, Laotse.
Das Thema Konflikt ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Vordergrund unserer Gesellschaft gerückt. Viele denken bei Konflikt-Management vor allem an verbale Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz, weil ihnen Konflikte dort am meisten zusetzen. Wagt man es allerdings, genauer hinzuschauen, wird einem sehr schnell bewusst, wie viele Konflikte wir uns eigentlich den ganzen Tag lang zusätzlich zumuten.
Konfliktverhalten aus individualpsychologischer Sicht sind Muster, mit Sinn und Ziel. Sie repräsentieren unsere Geschichte mit Konflikten. Und sie zeigen uns auf, warum wir es manchmal einfach nicht lassen können. Wo es zu Reibungen kommt, dort bedarf es Aufklärung. Denn wer seine eigenen Auslöser erkennen kann, hat dann die Möglichkeit bewusst und gelassen anders zu reagieren.
Alleine zu wissen, dass man einem Konflikt nicht einfach hilflos ausgeliefert ist, kann ermutigen sich einer Situation anzunehmen, auch wenn sie unangenehm ist. Wage es dich einzulassen, und du wirst mit und aus der Situation etwas für dich lernen – garantiert.

Wie erkenne ich Konflikte – Beispiel für einen Arbeitsalltag voller Konflikt-Potential
10:00 Uhr Morgens. Ein schwieriges Meeting steht an. Mein Puls geht hoch – Konflikt. Fast gleichzeitig überkommt mich die Unlust – Konflikt. Mein Chef läuft vorbei, der nur auf Profit aus ist – Konflikt. Davor noch kurz ein Telefonat mit einem potentiellen Kunden, den ich unbedingt gewinnen muss – Konflikt. Und das alles auf leerem Magen – Konflikt.
Ich hasse Anspannung. Ich will nicht nur für Geld arbeiten. Ich lege Wert auf Lust beim Tun. Und mein Körper braucht Kalorien, um zu funktionieren. Zum Glück fängt er (Adrenalin-) Schocks gut ab. Aber lustig ist anders.
Ein Konflikt lässt sich erkennen, wenn Ziele, Bedürfnisse oder Werte aufeinanderprallen – sei es in sich selbst oder im Umgang mit anderen. Anzeichen dafür sind Spannungen, Meinungsverschiedenheiten, Vermeidungsverhalten, negative Gefühle oder Kommunikationsstörungen.
Im Grunde entsteht ein Konflikt immer dann, wenn Interessen oder Perspektiven aufeinanderprallen und dadurch Unbehagen entsteht, das einer Lösung bedarf.
Wie kann man nun mit solchen Konflikten umgehen? Stichwort: Perspektiven-Erweiterung
Konflikte halten sich durch Angst und Unwissenheit. (buddhistische Sichtweise).
Die Basis eines Konfliktes ist das Nicht-Übereinstimmen von persönlichen Sichtweisen. Wir halten an unseren persönlichen Sichtweisen fest auf Grund von Angst und Unwissenheit. Ergo halten sich Konflikte durch Angst und Unwissenheit.
Das beste Mittel, sich trotz Angst auf etwas einzulassen, ist Neugier. Als intrinsischer Motivator ist Neugier immer eine sehr persönliche Angelegenheit und stabil gegen äussere Einflüsse. Neugier fördert Mut. Und Mut macht Angst tragbar.
Das beste Mittel, sich trotz Unwissenheit auf etwas einzulassen, ist ebenfalls Neugier. Neugier fördert Offenheit. Und Offenheit fördert die Aufnahme von neuem Wissen.
Die Kombination von Neugier zusammen mit der „Re-Framing“ Technik erlaubt es uns, mehr wahrzunehmen, als wir bereits meinen zu wissen.

Wer Neugierig ist…
…mit den Augen des Anderen zu sehen,
…mit den Ohren des Anderen zu hören,
…mit dem Herzen des Anderen zu fühlen,
dem gelingt es eher eine Lösung zu finden, die alle Beteiligten respektiert. Denn stimmen die Sichtweisen überein, hat der Konflikt keinen Boden mehr. Er löst sich auf.
Ab morgen kannst du Konflikte besser bewältigen, indem du als Reaktion darauf kurz innehältst und nachdenkst. „Worauf macht mich dieser Konflikt neugierig?“
Psychologische Beratung hilft dir bei deiner Konfliktbewältigung, indem sie dein Selbstbewusstsein stärkt und das Verständnis persönlicher Verhaltensmuster fördert. Sie unterstützt dich dabei, gesunde Kommunikationsweisen mit dir und anderen zu erlernen. Deine Konflikte werden nicht weniger werden, aber du wirst sie als leichter zu bewältigen empfinden.
Fazit zu Konfliktmanagement: Übung macht den Meister
Konflikte gehören zum Arbeitsalltag. Es geht dabei um die Fähigkeit zur Kommunikation und das Pflegen von Kontakten. Ein gesunder Umgang mit Konflikten führt zu mehr Gelassenheit und Klarheit im Umgang mit uns, unserem Team und unseren Kunden.
Sich mit Konfliktmanagement auseinanderzusetzen ist sinnvoll. Der gesunde Umgang mit sich und anderen reduziert Stress, beugt Eskalationen vor und verbessert Beziehungen. Durch die Anwendung von Konfliktmanagement-Techniken lernst du, wie du dich auch am Arbeitsplatz gelassen weiterentwickeln kannst. Es hilft dir, Konflikte in Chancen zu verwandeln.
Quellen (zur Vertiefung):
https://www.psychologenakademie.de/magazin/konflikte-am-arbeitsplatz-teil-1/

Autorin:
Inkarani Wuillemin, Dipl. individualpsychologische Beraterin in eigener Praxis in Zürich.
Inkarani Wuillemin kennt und schätzt die Individualpsychologie seit ihrer Ausbildung an der Akademie für Individualpsychologie. Sie arbeitet in eigener Praxis in Zürich mit den Schwerpunkten Identität, Stressmanagement, Burnout, Veränderung und Krisen, Single Beratung, Arbeitswelt und Schule.
Berater/in finden oder einen qualifizierten Abschluss in Individualpsychologie erwerben
Wünschst du dir Unterstützung bei der Bearbeitung deines Konfliktmanagements bei der Arbeit oder möchtest du selber Menschen bei der Bewältigung von Konflikten auf der Arbeit unterstützen? Dann ist vielleicht die Ausbildung zum/zur individualpsychologischen Berater/in etwas für dich:
- Ausbildung zum/zur individualpsychologischen Berater/in AFI
Die Akademie für Individualpsychologie (AFI) bietet eine 3-jährige berufsbegleitende Ausbildung dazu an. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den eidgenössisch anerkannten Titel «Berater/in im psychosozialen Bereich mit eidgenössischem Diplom HFP» zu erwerben. Eine Anerkennung durch den Berufsverband mit dem Qualitätslabel psychosoziale/r Berater/in SGfB steht nach der Ausbildung ebenfalls offen. Hier geht es zum nächsten Infoanlass
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